Auf die Plätze...
Steglitz-Zehlendorf 2021

Nutzungsinteressen, Konflikte und Lösungen im öffentlichen Raum

Das Quartier und der öffentliche Raum sind für das Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen von zentraler Bedeutung. Öffentliche Räume haben für Jugendliche wichtige Funktionen für die Sozialisation und Identitätsentwicklung. Sie sind Treffpunkte, Bühnen der Repräsentation, Rückzugs- oder Erkundungsräume, Orte des Ausprobierens und der Auseinandersetzung mit der Erwachsenenwelt. Häufig geraten in öffentlichen Räumen die Bedürfnisse und Aneignungsformen Jugendlicher mit jenen Erwachsener in Konflikt.

Im Rahmen der aufsuchenden Jugendsozialarbeit wurden in den vergangenen Jahren zunehmend Konfliktorte identifiziert. Bei den Konflikten handelt es sich bspw. um Konflikte zwischen verschiedenen Nutzer:innengruppen (z.B. Nachbarschaft und Jugendliche, unterschiedliche Jugendgruppen oder Gewerbetreibende und Jugendliche) aber auch Übergriffe und andere Kriminalitätsdelikte, von denen Jugendliche betroffen waren.

Aus unserer Sicht  bedarf es einer noch intensiveren Auseinandersetzung mit den bestehenden Konflikten im öffentlichen Raum und den Konfliktorten selbst sowie einen gemeinsamen Austausch zwischen den verschiedenen Nutzer:innengruppen. Dabei unumgänglich ist die Bearbeitung möglicher Ursachen, um präventive Maßnahmen entwickeln zu können.

Mit Hilfe innovativer, künstlerischer und interaktiver Aktionen, möchten wir Aufmerksamkeit wecken, um einen Dialog und Austausch zu fördern. Öffentliche Räume, Konflikte, Meinungen und Erfahrungen werden so sichtbar gemacht und regen zum Nachdenken an. Im Rahmen der aufsuchenden Jugend(sozial)arbeit möchten wir in Kooperation mit dem deutschfranzösischen interdisziplinären Kollektiv „Pop-Up Ma Parole“, einen interaktiven und offenen Austausch im öffentlichen Raum zu initiieren. Das Kollektiv entwickelt dabei partizipativ Installationen und Pop-up-Strukturen, um Fragen zu stellen, Begegnung zu schaffen, zu vermitteln, zu erproben, sich zu äußern, sich zu verbinden, zu agieren und um sich auszuprobieren. Die Installationen werden dabei gemeinsam mit den Kindern und Jugendlichen aber auch mit anderen interessierten Menschen gebaut und gestaltet.

Wir möchten die Bedürfnisse, Interessen und Potenziale der im öffentlichen Raum anzutreffenden Jugendlichen entdecken und sie unterstützen, dass sie ihre Belange vertreten und Freiräume für sich beanspruchen. Dies ist wiederum nur partizipativ mit allen möglich. Gleichzeitig sollen durch die Installationen und den generierten Austausch sowie einer gezielten Auseinandersetzung mit den öffentlichen Räumen, Konflikten und Unsicherheiten, Ideen und Impulse für die quartiersbezogene Arbeit und städtebauliche Maßnahmen entwickelt werden. Diese sollen dazu führen, betroffene Orte aufzuwerten, Präventionsmaßnahmen auf andere Bereiche im Sozialraum und die bezirklichen Fachämter zu erweitern und damit zugleich die Jugendarbeit zu stärken.